DER BÜCHERWURM
ist ein Theaterstück, das auf ganz eigene Weise vom Lesen handelt:
Ein Bücherwurm zieht in ein neues Buch ein. Es fröstelt ihn.
Kein Wunder, denn die Geschichte des Buches spielt im Ewigen Eis des Nordens
und handelt von einem Eskimo-Jungen namens Allack. Der Bücherwurm
nagt an den Seiten des Buches und erfährt lesend vom Fischfang im
Eis, von den Erdhäusern der Eskimos... Bücherwurm nähert
sich einer fremden Welt.
Von da an spielt das Stück auf zwei Ebenen:
Zum einen geht es um den spannenden Lebensweg des Eskimojungen Allack,
der sein Dorf und seine Familie auf tragische Weise verliert..., der Hilfe
erfährt von einem märchenhaft anmutenden Fisch..., der hinaus
zieht in die Fremde und der schlussendlich einen Freund, ein neues Zuhause
und alles Glück der Welt findet... (Mit dem Ende der Allack-Geschichte
hat es jedoch eine besondere Bewandtnis. Bitte lesen Sie weiter!)
Zum anderen geht es um den Bücherwurm, der sich Stück für
Stück in dem Buch häuslich niederlässt. Lesen ist wie Wohnen
in einer Geschichte. An einer hoch-spannenden Stelle des Buches schließt
Bücherwurm seinen elektrischen Tauchsieder an und kocht Teewasser.
Wenn ihm nicht wohl ist, greift er zu einer ganz persönlichen Medizin:
zu >Blattsalat<, einer bunten Mischung von Schnipseln aus seinen
Lieblingsgeschichten. Und weil in einem Kriminalroman, der in der Nähe
seines Buches liegt, ein Telefon vorkommt, kann es auch mal sein, dass
Bücherwurm einen Anruf bekommt.
Bücherwurm passiert ein Missgeschick: Er vergisst den Tauchsieder
aus der Steckdose zu ziehen, und das Buch fängt mächtig an zu
qualmen. Dank seiner großen Leseerfahrung weiß er, in welchem
der herumliegenden Bücher er nach einem Feuerlöscher zu suchen
hat. Es gelingt ihm, den Brand zu löschen.
(Das Bühnenbild besteht im Wesentlichen aus einem überdimensioniert
großen Buch, das allerlei Überraschungen birgt.)
Bücherwurm liest so gerne in der Eskimo-Geschichte... er identifiziert
sich so sehr mit ihr, dass er von dem Buch verschlungen wird; und zwar
im wörtlichen Sinne: Eine Falltür klappt aus den Buchseiten
heraus, und das Buch saugt Bücherwurm in sich hinein.
Bücherwurm liest die Geschichte nicht nur, es kommt ihm vor, er selbst
sei der Eskimo-Junge Allack. Wiederum passiert dem armen Bücherwurm
ein Missgeschick: Er hatte nicht bemerkt, dass es auf der rechten Seite
oben vom Dach in das Buch hineinregnet. Tag für Tag. Mit einer fatalen
Folge: Die letzten Seiten des Buches pappen zusammen, und Bücherwurm
kann sie nicht mehr lesen. Er kommt nicht mehr weiter in der Geschichte.
Zu hart das Ganze! Bücherwurm ist verzweifelt. An der spannendsten
Stelle des Buches ist er gezwungen, das Buch und seine Geschichte zu verlassen.
Zu allem Überfluss ruft auch noch jemand an. Am anderen Ende der
Leitung ist Leseratte. Leseratte gibt Bücherwurm einen Rat: >Wenn
die letzten Seiten des Buches ungenießbar geworden sind, dann schreiben
Sie doch die Geschichte selbst zu Ende<. Und tatsächlich: Bücherwurm
erfindet ein eigenes Ende der Geschichte, ein Happy End!
Bücherwurm ist glücklich. Er ruft Leseratte an und bedankt sich
für den guten Rat. Bücherwurm und Leseratte scheinen sich sehr
sympathisch zu sein. Noch am Telefon beschließen sie, eine WG zu
gründen, eine Wurmgemeinschaft, -oder wenn man so will- eine Wohngemeinschaft.
Und falls der Platz für Zwei nicht reichen sollte, kann die Geschichte
ja jederzeit ausgebaut werden.
Anmerkung des Regisseurs
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